manchmal ist alles sinnlos .......
(Blacky)
von Gabriela Kelterbaum
An einem Mittwoch im März rief mich eine der Damen an, die regelmäßig auf dem Friedhof Melaten die dort lebenden, halbwilden Katzen füttert. Sie bat dringend um Hilfe, da eine der Katzen nun schon seit mehreren Monaten nicht mehr richtig fressen könne, sabbere, struppiges Fell habe und total abgemagert sei.
Etwas verwunderte mich zwar der Anruf, da der Melatenfriedhof von einem anderen Kölner Tierschutzverein betreut wird, ich vereinbarte aber mit der guten Frau für den nächsten Sonntag, und zwar morgens um 9,30 Uhr einen Termin. Glücklich stimmte mich der Termin nicht gerade, da ich auch gerne einmal einen Sonntag ausschlafe aber der Kater ging jetzt vor. Pünktlich war ich am verabredeten Friedhofseingang mit einem extrem großen Transportkorb bewaffnet, da die Dame mir versichert hatte, sie könne den Kater anfassen, hochheben und so mit mir gemeinsam in den Korb befördern. Wer nicht da war, war die Dame. Ich wartete noch einige Minuten und rief sie dann an, wobei sie mir nun zunächst erklärte, wir wären für 9,30 Uhr verabredet, jetzt wäre es erst 8,30 Uhr. Tja, so mancher hat ja Probleme mit der Sommerzeit, so nahm ich ihr dies nicht weiter übel. Sie meinte, sie wohne gegenüber ein paar Häuser weiter, wäre noch nicht angezogen und hätte nasses Haar, ich solle zu ihr kommen. Nun gut, sagte ich, dann springen sie in die Kleider und wickeln sich ein Kopftuch um, ich komme zu Ihnen. Ich also mit der Transportbox die Aachener Straße hoch zu der älteren Dame. Nach meinem Klingeln rief sie runter, sie sei fertig und käme. Den Weg hatte ich also umsonst gemacht und marschierte mit ihr wieder zurück zum Friedhof.
Dort angekommen teilte sie mir noch eilig mit, hier entlang und dort hinüber, bleiben sie am besten hier stehen, ich geh ihn suchen ..... „da ist er„ hörte ich sie noch rufen und sah wie sie zwischen den hohen Grabsteinen verschwand. Ich ging noch ein paar Schritte und entdeckte die Futterstelle, an der sie ihren Beutel hinterlassen hatte. Ich stellte meine Box ab und versuchte nun auszumachen wo die Gute verblieben war. Nichts war zu sehen und zu hören. Die Zeit verging und sie kam nicht wieder, dafür kam ein schwarzer Kater mit ehemals weißen Beinen, der das Elend persönlich zu sein schien. Er kam fast aus der Richtung, in die die Dame verschwunden war und ging zielstrebig an mir vorbei zur Futterstelle. Aus seinem Mäulchen hingen lange dicke Schleimfäden, sein Fell war struppig und zerzaust, er war extrem abgemagert. Es konnte sich nur um das Tier handeln, wegen dem ich gekommen war.
Der Kater ging zur Futterstelle und schnupperte ein wenig an den Näpfen und ließ sich dann im Gebüsch nieder. Ich nahm dies zum Anlaß die Vermutung zu hegen, daß sich nun auch bald wieder „meine„ alte Dame einfinden würde. Dies stellte sich alsbald als falsch heraus. Ich lief ein wenig herum, rief auch nach Ihr, was den Unmut anderer Friedhofsbesucher auf sich zog und stellte des weiteren fest, daß ich an manchen Stellen doch ein wenig sehr in die frisch bepflanzte Erde einsank.
So ging ich also zurück zum Kater, setzte mich hin und redete mit ihm. Ich kam bis auf ca. 2,0 m an ihn heran, näher ließ er es nicht zu, dann verzog er sich. Ich verharrte fast 45 Minuten mit ihm an der Futterstelle. Die Zeit verging und ich wurde allmählich wütend, zumal inzwischen auch der Beutel der guten Frau verschwunden war. Ich rief bei ihr an, es nahm keiner ab. Ich ging zu ihr nach Hause, es öffnete keiner. Voller Wut verließ ich den Friedhof da ich alleine nichts ausrichten konnte.
Im weiteren Tagesverlauf versuchte ich immer wieder sie telefonisch zu erreichen und machte mir schon langsam Sorgen, sie war ja auch nicht mehr die jüngste, vielleicht lag sie ja hilflos zwischen den Gräbern und ich war einfach gegangen, hatte sie im Stich gelassen. Am frühen abend erreichte ich sie. Sie schrie mich an, ich wäre abgehauen, sie wäre mit dem Kater auf dem Arm auf der Suche nach mir gewesen, sie schrie alles mögliche bevor sie den Hörer aufknallte. Ihr Verhalten ordnete ich in die Kategorie „Altersschwachsinn„ ein und überlegte, wie dem Tier nun weiter zu helfen sei. Über Umwege gelangte ich dann an eine weitere Dame die jeden morgen auf Melaten füttert, und zwar nicht nur an einer Stelle, sondern alle Futterstellen abfuhr.
Frau Reimers kannte die alte Dame und hatte bereits ähnliche Erfahrungen mit ihr gemacht, so daß wir uns dann verabredeten. Da sich der Kater von Frau Reimer nicht anfassen ließ und Frau Reimer auch bezweifelte, daß besagte alte Dame dies jemals gekonnt habe, nahm ich die Falle mit und stellte diese auf. Der Kater dachte jedoch nicht daran sich diese auch nur aus der Nähe anzusehen. Also wurde für den übernächsten Tag ein neuer Termin gemacht und ich war mit unserer Sabine Schlünz am frühen morgen auf dem Friedhof. Auch diesmal sahen wir den Kater und auch diesmal dachte er nicht daran in die Falle zu gehen.
Nach weiteren 3 Tagen fuhr ich nach der Arbeit mit Elisabeth Bundt zum Friedhof. Dort wollten wir uns mit Frau Loosen treffen, die nachmittags immer an einer ganz anderen Stelle dem Kater begegnet. Frau Loosen konnte ihn tatsächlich streicheln, er ließ ihr sogar regelrecht hinterher, hochheben jedoch ließ er sich nicht. Wir waren wieder mit unserem großen Katzenkennel bewaffnet und Elisabeth Bundt saß 1 ½ Stunden mit den Damen auf der Friedhofsbank bis der Kater kam. Er sah jetzt noch schlimmer aus als vor einer Woche. Nach einiger Zeit kam er aufgrund des guten Zuredens von Frau Loosen immer näher und ließ sich dann unweit der Bank mit dem Rücken zu Elisabeth Bundt nieder.
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