Diese nahm die Chance war und schlich sich von hinten heran.Es war Totenstille inmitten der Gräber und Elisabeth näherte sich und näherte sich bis sie ihre Hand genau über ihm hatte und genau in dem Augenblick als sie zugriff rannte er davon. Sie hatte nichts falsch gemacht, er war einfach instinktsicher und spürte die „Gefahr„ von hinten.
Nun war uns klar, in die Falle geht er nicht und eine zweite Chance ihn mit der Hand zu fangen, würde er uns nicht einräumen jedoch hatten wir ihn noch lange nicht aufgegeben.
Sabine Schlünz besorgte einen Kescher, der groß genug für 8 kg-Fische war und wir versuchten nach einigen Tagen unser Glück aufs neue, jedoch bekamen wir den Kater nicht zu sehen und befürchteten schon, er wäre nun so krank, daß er gar nicht mehr auftauchen würde.Dann rief Donnerstags Frau Loosen an und teilte mit: „er ist wieder da„ so daß ich für Freitag Spätnachmittags wieder eine Treffen mit ihr vereinbarte.
Ed Helmecke und ich trafen uns diesmal, wieder mit Kescher und großem Transportkorb bewaffnet mit Frau Loosen und wir warteten und warteten und dachten schon er kommt nicht, als wir ihn sahen.Frau Loosen lockte ihn immer näher heran und lenkte ihn mit ab während ich mich von hinten immer wieder an ihn heranschlich.Es stellte sich durch die Büsche und Gräber als schwierig heraus nah genug an ihn heranzukommen um ihn fangen zu können, zumal er mit der Zeit immer mißtrauischer wurde und er sich wieder entfernte. Frau Loosen redetet und redete und redete immer weiter mit ihm und ich umkreiste die beiden mit dem Kescher während Ed versuchte so nah bei uns zu bleiben, daß er sofort zur Stelle war und gleichzeitig so weit weg zu bleiben, daß er die Aktion nicht störte. Immer wieder verschwand der Kater in den Büschen und hinter den Gräbern, immer wieder umrundete ich die einzelnen Grabreihen und versuchte lautlos und unbemerkt an ihn heranzukommen. Wir gaben uns alle Mühe keine größeren Flurschäden an Flora und Fauna zu hinterlassen und hatten inzwischen die volle Aufmerksamkeit aller Friedhofsbesucher. Es war fast eine Stunde vergangen und ich fragte mich allmählich ob die Sache noch Sinn macht und ob Frau Loosen nicht bald heiser werden würde. Sie war ungemein geschickt darin mit ihm zu reden und mir gleichzeitig mitzuteilen „ja da sitzt der Blacky ja, hinter dem großen weißen Grabstein, direkt neben dem Engelchen mit Grünspan und sieht mich groß an„ wo genau er sich befindet.
Dann sah ich ihn zusammengekauert direkt vor einigen Büschen liegen und schlich zwischen Grabstein und Baum hindurch und dachte nur noch „jetzt oder nie„, und warf den Kescher über ihn, traf, sah er ist gefangen und warf mich drauf damit er nicht mehr entweichen kann, gleichzeitig schrie ich so laut es ging nach Ed, der aber bereits angerannt kam und den Kennel öffnete.
Jetzt ging die Sache erst richtig los. Er drehte sich in dem Netz wie ein wildgewordener Kreisel und verfing sich derart, daß ich dachte wir müssen ihn rausschneiden. Mit letzter Anstrengung hob ich den Kater samt Kescher über die Kennelöffnung, griff von unten in den Kescher und zog eine kleine Lücke auf, so daß es mir dann mit Ed gelang ihn wirklich regelrecht aus dem Netz zu pellen. Er hatte sich so verstrickt, daß er keine Pfote mehr rühren konnte.
Als er endlich in der Box war und wir ihn mit einer großen Decke abgedunkelt hatten, waren meine ersten Worte: „So fange ich nie nie wieder„. Ich war fix und fertig mit den Nerven. Ed war wie immer die Ruhe in Person. Mit zitternden Händen griff ich zu meinem Handy (es waren inzwischen 18,50 Uhr) und rief bei unserer Tierärztin Dr. Degen an und bat diese eindringlich auf uns zu warten. Wir rannten los und schafften es tatsächlich 10 Minuten später dort zu sein, wobei ich unterwegs Ed immer wieder bat in den Kennel zu sehen ob Blacky auch wirklich in Ordnung sei. Angekommen bei Dr. Degen blieb zum Luftholen keine Zeit denn es gab keine Möglichkeit ihn zu untersuchen, er gebärdete sich spuckewild und fauchte und schlug um sich. Eine Untersuchung war nur mit einer Beruhigungsspritze möglich, und die konnten wir nur geben, indem wir den Kater samt Kennel immer wieder drehten und in der Luft kippten bis er endlich auf dem Gitter zu liegen kam, so daß Dr. Degen die Spritze von außen setzen konnte. Die Untersuchung ergab, daß er außer Zecken, Flöhen und Läusen natürlich unkastriert war, die Zähne waren in einem schlimmen Zustand und er hatte Rachenseuche. Der ganze Hals und Rachenbereich waren entzündet, so konnte er wirklich nicht mehr fressen.Dr. Degen gab ihm mehrere Spritzen und entnahm Blut für eine Untersuchung, die glücklicherweise keine weiteren Befunde ergab. Unter anderem bekam er ein Cortisondepot, das gegen die Rachenentzündung wirkt und für ca. 14 Tage anhält.
Wir hatten uns schon fast mit dem Gedanken abgefunden, daß Blacky keine Chance mehr hat und eingeschläfert werden muß, jedoch sahen wir letztendlich davon ab, da die Möglichkeit bestand, daß er bei regelmäßiger Weitergabe von Cortison mit dem täglichen Futter, eine gewisse Lebensqualität behalten würde und ihn die Cortisontabletten buchstäblich „am fressen halten würden„. Diese Chance sollte er auf alle Fälle bekommen.
Er blieb einige Wochen bei unserer Elke Bovi, wurde von allem Ungeziefer befreit, von uns kastriert und nochmals mit Cortison nachgespritzt. Zusätzlich erhielt er täglich seine Tabletten, die er im Futter problemlos zu sich nahm. Er hörte auf zu sabbern, fraß gut und war auch wieder in der Lage, sich selbst zu putzen und zu säubern. Wir waren alle ausgesprochen froh und glücklich über diese Entwicklung, da sie uns in unserer Entscheidung, ihn hoch zupäppeln bestätigte.
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