Die Hoffnung, daß er sich in einem geschlossenem Raum unter der Obhut von
Menschen so akklimatisiert, daß er in eine Wohnung vermittelt werden könnte erwies sich jedoch schnell als absurd. Blacky ließ sich zwar auf dem Friedhof von Frau Loosen streicheln (und zwar von sonst niemandem, wie sich herausgestellt hatte) aber es war kein Denken daran, daß jemals ein anderer ihn würde bändigen können.
Für Elke Bovi stellte die regelmäßige Reinigung der Quarantänebox und die tägliche Futtergabe ein Reaktionstest ihrer Schnelligkeit und ihrer Nerven dar. Wir konnten uns kaum erinnern, wann wir jemals eine wildere Katze in der Box gehabt hatten, wenn sie die Katzentoilette säubern wollte, so musste sie den Kater mit einem Holzbrett davon abhalten sich direkt auf sie zu stürzen. Je besser es ihm ging, desto wilder und unberechenbarer wurde Blacky.
Nach 3 Wochen entschieden wir uns, ihn zu seiner Futterstelle auf dem Friedhof Melaten zurückzubringen, da jedes weitere Verweilen in unserer Obhut für ihn nur Streß bedeutete und er unglücklich war.
Ed und Eva holten Blacky bei Elke ab und erlebten ein Umsetzen des Katers von der Box in einen Überlaufkasten der besonderen Art. Eva berichtete, daß sie durch die geschlossene Türe hindurch sein Toben hören konnte und dachte, er reiße die Box samt Überlaufkasten auseinander.
Blacky wurde wieder an dem Rondell freigelassen, an dem er immer nachmittags aufgetaucht war. Das war das letzte Mal, daß er diese Stelle betrat, er mied sie von da ab wie die Pest und wird seither nur noch von Frau Reimer an den anderen Futterstellen gesehen. Frau Loosen, die liebe Dame, die ihn immer streicheln konnte, sah ihn nie mehr.
Frau Reimer ist seitdem Tag für Tag bemüht ihm seine Tabletten mit dem Futter zu verabreichen. In der Regel gelingt es ihr; frisst er an einigen Tagen nichts oder schlecht und erhält seine Tablette deswegen nicht, so geht es ihm nicht gut. Dann bekommt er sobald er wieder Nahrung aufnimmt 2 Tabletten bis sein Zustand wieder halbwegs stabil ist. Die Sorge um ihn hält an.
Es gibt Zeiten an denen er nicht sabbert, gut frisst und auch besser aussieht.
Vor einigen Monaten war es wieder so schlecht, daß Frau Reimer um Hilfe bat und meinte, wir müssen ihn wieder einfangen. Ein erneuten Fangen bedeutet jedoch, vorausgesetzt, daß wir es jemals wieder schaffen werden, daß er nicht mehr zurückkehren wird zu seinem Friedhof.
Wir wünschen uns alle, daß dieser Tag nie kommen wird, wissen aber, daß es seines Tages so weit sein wird.
An schlechten Tagen kauert er unglücklich unter einem Busch und blickt mit traurigen Augen in die Welt.
An schönen Tagen frisst er gut und läuft in seiner Katzengruppe mit.
An schlechten Tagen kann er nichts mehr zu sich nehmen und sucht Wärme bei seiner Katzenfreundin.
An schönen Tagen liegt er in der Sonne und genießt die Wärme auf seinem Fell.
Was für ein Tag wird wohl sein letzter sein ?
Nachtrag:
Sein letzter Tag war ein wunderschöner Sommertag.Am Morgen des 1. August 2001 fand Frau Reimer ihn tot auf einem Friedhofsweg in der Nähe seiner Futterstelle.