Fiene und Campari
Fienchen, die als Fundkatze im Kölner Norden aufgegriffen wurde, zog im März 2006 bei uns ein und eigentlich hegten wir den Wunsch, sie zu behalten, da Roberts Traum war, einmal eine rote Katze sein eigen zu nennen, die auch ein wenig plüschiger sein durfte.
Fienchen schien –nicht nur optisch- all diese Voraussetzungen zu erfüllen und so schnurrte sie bei uns herein. Die Zusammenführung lief leider nicht wie erhofft, nämlich gar nicht. Fienchen brummte, fauchte und hatte offensichtlich überhaupt keine Lust, sich mit unserer Meute abzugeben, die ihr gegenüber aber dezent-zurückhaltend war, an ihnen konnte es also eigentlich nicht liegen.
Wir seufzten und begannen uns damit abzufinden, dass der rote Traum nicht sein sollte. Nun galt es, Fienchen zu impfen und sie auf eine etwaige Kastration zu überprüfen, um sie dann zu vermitteln. Am 27. März fuhren wir zu unserer Vereinstierärztin, ließen Fienchen die erste Impfung geben und nach einer Kastrationsnarbe zu suchen. Sie rasierte und suchte, rasierte und suchte und fand nichts. Einzig die Zitzen seien ein bisschen dick, sie hätte sicherlich schon einige Würfe gehabt, eine weitere Untersuchung ergab, dass ansonsten alles mit ihr vollkommen in Ordnung ist.
Wir machten einen Kastrationstermin für den 03. April 2006 aus und fuhren nach Hause, wo sich die Situation zwischen Fienchen und den anderen Katzen zusehends verschlimmerte. Sie war von Anfang an sehr menschenbezogen und verschmust, dies nahm im Laufe der Woche extreme Ausmaße an, wir konnten kaum aufstehen ohne mit Gebrumme bedacht zu werden. Die anderen Katzen wurden regelrecht verfolgt und durch die ganze Wohnung gejagt, so dass wir Fienchen schließlich von den anderen separierten.
Montagmorgen brachten wir Fienchen zur Kastration und ich fuhr ins Büro. Gegen 11.30 Uhr klingelte mein Telefon und im Display erkannte ich sofort die Nummer der Tierärztin. Ich dachte noch „Sch.... hoffentlich ist nicht etwas bei der Narkose schief gegangen“ und ging an den Apparat. In der Leitung war eine kichernde Tierärztin, die mich fragte, ob ich denn säße? Ich bejahte und sie gratulierte mir und meinte ich wäre gerade Mutter geworden. Ich verstand kein Wort, ich hatte ja schließlich nur eine Katze zur Kastration abgegeben?!?
Fienchen hatte, pünktlich zum Kastrationstermin einen kleinen Sohn geboren, gerade als man mit der Narkose beginnen wollte. Sie würde noch pressen, evtl. käme noch ein zweites dazu. Ich war aufgeregt und rief sofort Robert an. Dieser meinte nur „Alles klar, dann mach ich aus dem Arbeitszimmer wohl mal ein Kinderzimmer“ und legte los. Im Verein schwankte der Gefühlspegel zwischen mittelprächtiger Verärgerung und großer Heiterkeit, ich befürchte, diese Geschichte werde ich nie mehr los. Zu meiner Verteidigung sage ich immer nur „Aber wenn selbst die Tierärztin es nicht gesehen hat, ich hab doch vorher noch nie eine trächtige Katze gesehen....“
Jetzt war also klar, die Vermittlung von Fienchen wird verschoben, zunächst muss sie erstmal ihren Sohn großziehen. Campari (rot wie seine Mama) war bei seiner Geburt am 03. April 102 Gramm schwer und wir waren alle direkt verzaubert von dem kleinen Wurm.
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