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Kater Freitag ... oder ... kein Kater für „jeden„!
von Gabriela Kelterbaum


Anfang Februar 2005 meldete unsere Erna G. aus Köln-Worringen einen zugelaufenen Kater, der ein wenig heruntergekommen und laut schreiend um Futter bettelnd bei Bekannten den Balkon belagerte. Nichts besonderes also, im Prinzip eine Meldung wie fast jede andere auch. Einige Freitage lang (denn an diesen Tagen hatte Erna besonders viel Zeit) versuchte sie das Katerkerlchen einzufangen und am 18. Februar 2005 war die Sache von Erfolg gekrönt und Erna hatte das Katerchen im Kennel.
Da zu diesem Zeitpunkt alle Pflegestellen voll waren, behielt unsere Erna nun „Kater Freitag„ in ihrem Anbau und behandelte erst einmal ein paar Wunden und blutige Stellen, einen Katzenschnupfen der zum rotzen und röcheln führte und ertrug ca. 3 Wochen den Duft eines gestanden unkastrierten Katers, denn so schnorchelnd konnte Freitag nicht kastriert werden.
Freitag wurde nicht gesucht und anscheinend nicht vermisst. Kein Aushang brachte Erfolg, ein Inserat in der Zeitung verlief ins Nichts. Also ... bis hierhin auch noch gar nichts besonderes.

Als Freitag einigermaßen stabil und wieder hergestellt war, wechselte er die Pflegestelle. Elke Bovi und ich holten Freitag in Worringen ab und durften unsere erste beeindruckende Bekanntschaft mit ihm machen. Im Raum selbst hatte sich ein wohlbekannter Duft ausgebreitet, moschusartig und irgendwie warm und süßlich, unkastrierter Kater eben. (Unsere Erna sollte noch Tage brauchen, um diesen Geruch loszuwerden) Vor uns rollte sich ein großer kräftiger Kater mit ausgesprochenen Katerbacken, einem Plüschfell im Tigerlook und einer ausgeprägten Radiergumminase schnurrend auf dem Boden und verlangte nach kraulenden Händen. Wir wußten gar nicht, wo wir zuerst hingreifen sollten, bis er sich auf die Seite fallen ließ, auf den Rücken rollte und einen traumhaften dicken Pelzbauch vor uns ausbreitete.

Auf die unübersehbare Einladung in diesen Traum aus Tigerplüsch zu greifen fiel zuerst unsere Elke herein. Bevor Erna auch nur „... nein... das mag er nicht ...„ rufen konnte, war Freitag um Elkes Arm herum zusammengeklappt und hing nun in ihrem Unterarm fest. „Linke Bazille„, meinte Elke und versuchte Freitags Kieferknochen auseinander zu klappen, was dazu führte, daß Freitag verschmitzt grinste und mit Anlauf Köpfchen gab. Es war kein dramatischer Biß, er hatte einfach nur zugeschnappt, allerdings mit kräftigem Kiefer, der seiner Kopfform eben entsprach. Freitag nahm es Elke nicht weiter übel, daß ihr die Lust aufs Weiterkraulen vergangen war, sondern nahm Anlauf um mich von der Seite anzurammen und laut schnurrend um mich zu streichen. Gewarnt hielt ich mich von Kinn und Bauch fern und ließ mich nicht verleiten hinzufassen, wo man wohl besser nicht hinfassen sollte.
Wir hatten unsere Lektion gelernt und Freitag zog um zu Elke Bovi ins Katzenzimmer, dort zunächst in die Quarantänebox, denn er mußte noch beobachtet werden in Bezug auf seine Verträglichkeit hin mit den anderen Pflegekatzen.
Freitag hatte keine Lust auf eine Quarantänebox; er tat dies kund dadurch, daß er aus Katzenstreu, Futter und Wasser einen netten Eintopf zusammenstellte, den unsere Elke am kommenden Tag mehrfach entsorgen durfte. Im übrigen hatte Freitag für sich entschieden, die Quarantänebox nach weiteren 24 Stunden zu verlassen. Wie er die Box von innen entriegelt und das Gitter nach oben geschoben hatte, wird sein Geheimnis bleiben, allerdings stellte er hiermit die Weichen für sein weiteres Zusammenleben im Katzenzimmer, denn er liebte alle Kater und Katzen dort gleichermaßen.
Wenn es jemals einen sozialen Kater gegeben hat, dann war es unser Freitag und alle anderen, die dort waren liebten ihn ebenso.
Wir hatten einen Traumkater ! Wir wussten es, und Freitag wußte es auch !

Der nächste der diesem Traum aus Plüsch zum Opfer fiel war mein Lebensgefährte Günter. Beim Kennenlernen zog Freitag seine inzwischen bekannte Masche ab: Schnurren wie ein Motor, Anlauf nehmen und mit dem Kopf zustoßen, sich präsentieren und kraulen lassen, auf die Seite werfen, auf den Rücken rollen, Plüschpelz präsentieren, warten bis die Hand am Bauch ist und .. zuschlagen. „... laß das, das mag er nicht ...„ riefen Elke und ich gleichzeitig, während Günter bereits mit schmerzverzehrtem Gesicht versuchte die Katerzähne aus seinem Handgelenk zu hebeln. Gut, zu spät ! Er wußte nun auch Bescheid.
Aber trotzdem – Freitag war ein Traum !Bei der Kastration wurde der übliche FIV-Leukose-Test gemacht und festgestellt, daß Freitag leider FIV-positiv ist, womit er das Schicksal vieler unkastrierter Streunerkater nun teilte. Zum Glück zeigte er keine Krankheitsmerkmale, sein Katzenschnupfen verschwand bald ganz, er durfte aufgrund seiner großen Liebe zu den anderen Samtpfoten auch weiterhin mit diesen leben, und wir gingen daran, ihn in die Vermittlung zu nehmen.
Diese Anzeige wurde auf unsere Homepage gestellt .... es meldete sich niemand. Wahrscheinlich ließen sich alle von der FIV-Erkrankung abschrecken:

Kater "Freitag", geschätzt auf ca. 3 Jahre, kam zu seinem Namen, weil es einiger Freitage bedurfte, um des Katerchens habhaft zu werden. Er ist ein Fundkater, der unkastriert und ausgehungert laut schreiend das ihm angetane Unrecht kundtat. Freitag ist das, was man schlechthin als Traumkater bezeichnen kann, er ist ein Plüschtier auf dicken Katertatzen, der mit Anlauf "Köpfchen gibt", einem mit Vorliebe vor- und zwischen den Beinen umherrennt und von Streicheleinheiten nie genug bekommt. Mit anderen Katzen ist er so sozial und zärtlich, daß man es nur glaubt, wenn man es selbst sieht, selbst Hunde sind vor seinem Schmusen nicht sicher. Freitags neues Zuhause sollte schmusewillig ohne Ende sein und ihm viel Beschäftigung und Liebe bieten können. Dieses Katerchen ist kastriert, tätowiert, geimpft und leider FIV-positiv getestet, jedoch ohne Krankheitsanzeichen. Er sucht nun als Wohnungskater, gerne zu anderen verträglichen Katzen, ein neues Zuhause oder bei Menschen, die viel Freizeit für ihn übrig haben können. Wer einen ganz besonderen Kater sucht, der sollte mit Kater Freitag Kontakt aufnehmen und ihm trotz, oder gerade wegen seines positiven FIV-Testes eine Chance geben.
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