Die Geschichte von Mausi
von Gabriela Kelterbaum
Bereits 14 Tage versuchten wir, in Köln-Niehl eine trächtige zahme Katze auf dem Gelände einer Autoverwertung einzufangen. Unsere Versuche scheiterten zunächst daran, daß wir auf die normalen Öffnungszeiten der Firma angewiesen waren und selten so auf das Gelände konnten, wie es uns möglich war. Später erschwerte uns ein Fangversuch, der seitens der Geschäftsführung getätigt wurde die Sache. Durch den Versuch, die Katze, als sie in unserer Falle fraß, mit einer Decke zu fangen, war diese so verschüchtert, daß es Tage dauerte, bis sie wieder regelmäßig zum Fressen in die von uns aufgestellte Katzenfalle ging.
Als es soweit war, fuhren am 11. September, Dienstagmorgens um 9,00 Uhr Eva Suchanka und ich hin und es dauerte keine 10 Minuten bis wir „Mausi„ (eine ca. 1 Jahr alte, kleine zierliche Tigerkatze mit wenig weiß) gefangen hatten. Beim Umsetzen in einen großen, bequemeren Transportkorb kam mir aber irgendwie „schlanker„ vor als eine Woche zuvor. Beim Tierarzt angekommen wurde festgestellt, daß „Mausi„ noch ein Baby im Bauch hatte, das auch lebte. Weiter wurde zu unserem Entsetzen vermutet, daß sie bereits Babys geboren hat, denn es klebte noch etwas Blut an ihr und die Milch war eingeschossen. (Dies geschieht ca. 24 Stunden vor der Geburt).
Es blieb uns nicht lange Zeit, darüber nachzudenken, was wir tun sollten. Es gab zwei Möglichkeiten: entweder wir lassen Mausi wieder hinaus, damit sie sich um die eventuell bereits draußen geborenen Babies kümmern kann, und dies auch auf die Gefahr hin, daß wir sie und ihre Babies nicht wiederbekommen oder aber, wir bringen sie und ihr noch ungeborenes Baby auf unsere Pflegestelle und hoffen ganz einfach, das sie draußen noch nichts geboren hat.
Wir entschieden uns für Mausi und das ungeborene Katzenbaby und brachten sie zu unserer Pflegestelle, mit dem Ratschlag der Tierärztin versehen, uns zu beeilen, da die weitere Geburt nicht mehr lange auf sich warten lassen könne.
Danach suchten wir die Autoverwertung ab, was von Beginn an zum Scheitern verurteilt war. Auf dem 2000 qm großen Gelände voller Autowracks und Ersatzteilen, mit meterhohen Regalen voller Autokühler und mindestens 3000 Autoreifen, konnten wir nichts finden. Wir erklärten die Sache dem Chef und den Angestellten und fuhren mit gemischten Gefühlen zunächst einmal heim.
Nachmittags hatte sich in Sachen „weitere Geburt„ noch nichts getan. Die Tierärztin erklärte uns am Telefon, daß es bei erstgebärenden Katzen schon mal vorkomme, daß diese 24 Stunden oder noch länger „Gebärpause„ einlegen, wir sollten in Ruhe abwarten und uns nicht aufregen. Wir warteten auch, nur nicht in Ruhe. Ich wurde nervöser und nervöser.
Gegen 22,00 Uhr abends klingelte mein Telefon und auf dem Anrufbeantworter erfuhr ich vom Firmenbesitzer, daß in einem Autowrack 2 neugeborene Kätzchen aufgefunden wurden. Eines lebe und dieses wolle er mir nun übergeben. Ich rief umgehend zurück und 5 Minuten später traf ich mich mit ihm, übernahm das winzige Wesen, welches aber rund, warm und kräftig am Schreien war und brachte es umgehend zu seiner Mutter auf die Pflegestelle.
Mausi zeigte kein überragendes Interesse an ihrem nunmehr aufgefundenen Nachwuchs. Viel mehr interessierte sie sich für uns und gab schnurrend Köpfchen. Nach einiger Zeit sahen wir uns genötigt, unsere Mausi auf ihre Mutterpflichten insofern hinzuweisen, als daß wir sie kurzerhand umklappten, ihre Hinterbeine leicht spreizten und das Kleine anlegten. Dieses grub sich in das Fell seiner Mutter und holte erst einmal das entbehrte Futter nach. Es war ausgesprochen winzig und mit 90 g noch sehr klein.
Wir machten uns Vorwürfe, ob das Geschwisterchen nun wegen unserer Schuld nicht mehr lebte, ließen uns aber vom Tierarzt insofern aufklären, daß die 12stündige Abwesenheit alleine nicht der Grund des Todes habe sein können.
Mausi hatte sich zwischenzeitlich auf der Pflegestelle gut eingelebt, sie benutzte das Katzenklo, schnurrte ihre Pflegemutter freundlich an, genoß die Streicheleinheiten und entwickelte einen regen Hunger – nur ...... weitere Babys wollte sie auch in der Nacht zum Mittwoch nicht bekommen.
Da aber, laut Tierarzt auch mal bis zu 2 Tage Pause eingelegt werden können, übten wir uns in Geduld und unsere Pflegestelle berichtete mehrfach täglich „immer noch nichts da„. Mausi entwickelte sich weiter sehr gut und das Kleine schien von ihr zwar nicht mit Enthusiasmus aber wenigstens mit Milch versorgt zu werden.
Mittwoch abends war bei mir der Punkt erreicht, wo sich meine Sorge nicht mehr in Grenzen halten ließ. Elisabeth Bundt und ich beschlossen, daß wir Mausi am kommenden Morgen nochmals der Tierärztin vorstellen.
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