Ich fiel Donnerstag regelrecht aus dem Bett und der erste Griff war zum Telefon. Wir sollen noch warten und Freitag reinkommen, es könne eben auch mal dauern bei Erstgebärenden. Mir war mittlerweile totschlecht und auch Elisabeth Bundt bekam sichtlich Kopfschmerzen und wir diskutieren die Abstände der Geburt und das eventuelle Absterben der Kleinen im Bauch der Mutter durch, entschieden uns aber letztendlich, daß die Tierärztin wissen müsse, was am besten sei. Also beschlossen wir, Freitag ist der letzte Termin, dann ab zum Arzt.
Ich war gegen Nachmittag gerade heimgekommen, als das Telefon ging und die Tierärztin mir mitteilte, ich solle jetzt sofort und umgehend mit der Katze kommen. Sie habe sich im Datum vertan, die erste Geburt müsse ja Montag gewesen sein, wir wären ja Dienstag bei ihr gewesen und nicht Mittwoch, wie sie vormittags irrtümlich dachte.
Umgehend verschlechterte sich mein Allgemeinzustand und ich versetzte die Pflegestelle in Alarmbereitschaft. 5 Minuten später war ich da, machte den Transportkorb klar und wir zogen die Matratze des Bettes weg, denn Mausi hatte sich den dick ausgelegten Bettkasten als Nest auserkoren.
Wir schauten von oben in die gepolsterte Schlafstätte und Mausi schaute von unten nach oben, da
Baby schmatze laut und Mausi fing wie immer wenn sie gekrault wurde an zu treteln und ich hörte nur noch neben mir die Worte „da ist ja noch eins, da, da liegt es„.
Zuerst dachte ich, das kann nicht sein, ich glaub es nicht, doch ............ ein weiteres Baby nuckelte was das Zeug hält. Es war fast doppelt so groß und weiß mit schwarzen Flecken, wir hatten einen kleinen Harlekin.
Ich weiß nicht, wann ich zuletzt so erleichtert aufgeatmet habe wie in diesem Augenblick, Mausi war die Ruhe in Person, tretelte gelassen und sah uns an als wollte sie fragen, was die ganze Aufregung solle. Auch schien sie mit der Geburt des zweiten Babies einen dicken Schub Muttergefühle bekommen zu haben, denn als ich den Neuankömmling aus dem Nest nahm um zu sehen, ob er komplett ist knurrte sie dann doch etwas unwillig. Diese Reaktion hatte sie vorher nie gezeigt.
Ich rief zunächst einmal in der Tierarztpraxis an, wo man sich bereits auf einen Kaiserschnitt vorbereitet hatte und hörte deutlich die Erleichterung, daß dies nun überflüssig sei. Die Tierärztin verabschiedete sich mit den Worten „da soll noch einer sagen, Katzen fressen nicht während der Geburt„.
Es kam kein weiteres Baby mehr und wir waren darüber auch nicht unfroh, denn Mausi mußte nun erst einmal mit dem benötigten Nachschub an Muttermilch für 2 kleine Wesen klarkommen. Durch den Umstand, daß sie 3 Tage lang nur für ein Baby Milch benötigt hatte, stellte sich zunächst bei dem älteren ein Gewichtsverlust ein, der erst einen weiteren Tag später wieder aufgeholt war. Jedoch merken wir recht schnell, daß unsere Mausi nicht genug Milch für 2 Babys hatte.
Bereits im Laufe der ersten Tage zeigte die Waage, daß unsere Letztgeborene nicht zunahm und wir entschlossen uns zuzufüttern. Unsere Mitglieder Eva Suchanka und Ed Helmecke übernahmen diese Aufgabe zuerst und zeigten mir und unserer Pflegestelle Birgit die Handhabung der Flasche und alles weitere. Das Problem an der ganzen Angelegenheit war, daß die kleine Babykatze nicht trinken wollte. Zum einen zeigte sie nicht genug Entschlossenheit zum Saugen an der Mutter, zum anderen war offensichtlich, daß sie die Nahrungsaufnahme per Flasche auch nicht wollte. Als das Kleine auf 76 g (also unter Geburtsgewicht) herunter war hatten wir fast alle die Hoffnung aufgegeben. Wir verstärkten jedoch die Zufütterung weiter und bald war es so, daß ständig irgendeiner von uns in der Wohnung der Pflegestelle herumlief, Milch anrührte und die Flasche gab.
Der Erstgeborene war ein Kater und er wurde schwerer und schwerer und hatte bald das Doppelte an Gewicht seiner kleinen Schwester erlangt.
Nach einer ganzen Woche wog unsere Kleine endlich über 100 g und wir hegten nun wieder die Hoffnung, daß sie es schaffen würde. Wir fütterten inzwischen im 2-Stunden-Rhythmus und schafften es, das Gewicht des Babys bis auf 117 g hochzufüttern. Birgit gab abends und nachts die Flasche, Eva und ich wechselten uns tagsüber ab.
Es war Samstag, Eva hatte bereits tagsüber gefüttert, letztmalig um 19,00 Uhr und ich traf mich mit Margot Franz 2 Stunden später, um ihr zu zeigen, wie man die Flasche gibt, damit auch sie sich in die Fütterung einschalten konnte. Wir machten die Milch fertig und zogen vorsichtig die Schlafstelle auf. Ich begrüßte unsere Mausi und nahm unsere Kleine hoch.
Sie war tot.
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