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Da ist ja wieder das Mütterchen, die stets besorgte schwarzweiße Mutterkatze mit der verwegenen Zeichnung im Gesicht und dort der Vater, hochbeinig und schwarz, der immer die Nähe seiner Gefährtin und deren Nachwuchs sucht.
Die Große Nase, mit einem großen schwarzen Fleck auf der weißen Nase, der einzige Über-lebende seines Wurfes, immer sehr vorsichtig und zurückhaltend. Seine Geschwister, das Püppchen, zierlich und vornehm , die Kleine Nase, mit dem kleinen schwarzen Fleck auf der weißen Nase und der Grauschwarze, sind seit langer Zeit verschwunden, hoffentlich hatten sie einen schnellen, leichten Tod. Der letzte Wurf war besonders entzückend. Leider brachte das Mütterchen ihre Kinderschar zu spät mit zur Futterstelle, als daß man sie noch hätte zähmen können. Da war das Katerchen, schwarzweiß wie alle und ebenmäßig gezeichnet, der Streuner, der an einer anderen Futterstelle zwecks Kastration eingefangen wurde,weil er gern streunt und selten präsent ist, das Brüderchen vom Schreihals, der aussieht wie mein eigener Kater mit schwarzem Gesicht und weißem Figaro-Bart, und nicht zuletzt unser Liebling, der Schreihals, der als Winzling ständig schrie, soweit sein Mütterchen außer Sichtweite war, das kleinste im Wurf, noch heute zierlich und fein. Freudig kommt sie uns entgegen, sobald sie unser Auto erkennt. Endlich Futter!! Schreihals wälzt sich entzückt auf dem Boden, spring übermütig neben uns her, wenn wir mit den gefüllten Näpfen zur Futterstelle gehen und bei den Schlafhäusern nach dem rechten sehen.
Wir machten uns große Sorgen, als Schreihals 2 Tage verschwunden war. Wir kennen die Katzen, schließen sie in unser Herz und werden ihr Schicksal nie erfahren, wenn sie plötzlich wegbleiben. Hat man sie vergiftet, überfahren, erschossen, hat man Hunde auf sie gehetzt? Was ist aus Nabelbruch geworden, der schwarzen Katze, deren Nabelbruch bei der Kastration mit operiert wurde. Eines Tages war sie da und wurde von der Katzenfamilie freundlich aufgenommen. Seit länger als drei Monaten ist sie jedoch verschwunden.
Die „vergessenen Katzen von Köln„ sind Einzelschicksale wie die oben beschriebene Katzenfamilie, die im Kölner Norden lebt; jede einzelne ein eigener Charakter und individuell gezeichnet. Sie haben nur das Pech, nicht in einer Wohnung geboren zu sein, wo man sich liebevoll um sie kümmert. Sie zeigen jedoch ihre Dankbarkeit für ihr Futter, ihren warmen Schlafplatz und unsere freundlichen Begrüßungsworte ebenso deutlich wie unsere Stubentiger, die uns abends freudig begrüßen, wenn wir von der Arbeit nach Hause kommen, mit dem einzigen Unterschied, daß sie sich nicht streicheln lassen. Durch die Betreuung solcher Katzenbestände fällt eine neu hinzugekommene Katze sofort auf, und nicht selten stellt sich heraus, daß diese ausgesetzt oder entlaufen ist. Oft kann sie dann ihrem Besitzer zurückgegeben oder in gute Hände vermittelt werden.
Wer hier von „natürlicher Selektion„ spricht, macht es sich sehr leicht. Mit Natur hat dieses Großstadtkatzenelend heutzutage nichts mehr zu tun, sondern ist ein Resultat der Verantwortungslosigkeit unserer Wegwerfgesellschaft.Auch das Mütterchen –oder aber ihre Mutter oder Oma – hatte einmal ein solch verantwortungs- loses Zuhause ohne Zukunft. So und nicht anders entstehen die vergessenen Katzen von Köln und anderen Großstädten. Füttert man sie nicht, ist das Problem nicht gelöst, sondern nur verlagert, von einem Schrottplatz auf den nächsten Friedhof – auf der Suche nach Nahrung.

Diese freilebenden Katzen zu kastrieren, sie wieder an ihren angestammten Platz, der ihr Zuhause ist, zu entlassen, weil sie nicht vermittelbar sind, ihnen ihre Gesundheit zu erhalten mit einer täglichen Ration Verfügung zu stellen ist uns ein Bedürfnis – für solch liebenswerte Geschöpfe wie das besorgte Mütterchen, den stets gutgelaunten Schreihals oder die vorsichtige Große Nase.
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