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Was ist aus ihr geworden, aus der oben beschriebenen Katzenfamilie im Kölner Norden, die so lange, gut von uns versorgt, harmonisch und sozial zusammenlebte? Mit großer Bitterkeit und tiefem Schmerz haben wir wieder einmal erfahren müssen, welch verabscheuungswürdige Einstellung Menschen Tieren gegenüber haben können, daß die Tiere den Menschen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert sind und daß es die Menschen sind, die willkürlich und erbarmungslos über Leben oder Tod unserer Mitgeschöpfe entscheiden.
Im Jahr 1998 verschwand während eines zweimonatigen Zeitraums von einem Tag auf den anderen eine Katze nach der anderen. Unmerklich anfangs, uns fiel auf, daß wir die Große Nase einige Tage nicht mehr gesehen hatten, nun gut, freilebende Katzen sind größeren Gefahren ausgesetzt als unsere behüteten Wohnungskatzen, sicher ist ihm etwas passiert, dem armen Kerl. Dann fehlte plötzlich das Brüderchen vom Schreihals. Das Mütterchen begann, sich nur noch sporadisch sehen zu lassen, und dann beobachteten wir, wie das Katerchen uns schreiend vor Hunger entgegenlief und sich trotzdem nicht mehr ins Gebüsch an die Futterstelle traute, wir mußten ihn auf dem Fußweg füttern und er lief plötzlich panisch hin und her auf der Suche nach Deckung, als er fremde Stimmen hörte. Nach diesem Vorfall ward er nie wieder gesehen. Es war offensichtlich, daß sich das Grauen – in welcher Form auch immer- direkt an der Futterstelle abspielte. Wir zerbrachen uns den Kopf und fragten uns, was da wohl passierte. Tierfänger für Labore? Nein, die Katzen sind scheu, lassen sich nicht anfassen, außerdem tauchen Tierfänger wie aus dem Nichts auf, fangen alles, was sie kriegen können und verschwinden wieder, die kommen nicht einmal wöchentlich und fangen jedes Mal eine einzelne Katze. Tierfänger für Rheumafelle? Hm, die müßten dann schon mit Katzenfallen ähnlich wie unseren arbeiten, oder mit Fangeisen, und schlagen die gefangenen Tiere dann tot, ähnlich wie die Pelzjäger in Rußland oder Kanada. Aber kommen sie jede Woche für eine einzelne Katze? Uns fiel schließlich auf, daß meist nach den Wochenenden eine Katze fehlte. Am wahrscheinlichsten erschien uns dann ein Hinweis, daß angeblich Kinder beobachtet hätten, wie Osteuropäer, die in den nahen Hochhäusern leben, Katzen in Säcken fingen für ihren Sonntagsbraten. Dies hatten wir schon vorher gehört und als Phantasie abgetan, schließlich sind es scheue Katzen, die wir mit viel Mühe und großem Zeitaufwand in Fallen gefangen haben zwecks Kastration, schier unmöglich, diese Tiere „eben mal in Säcke zu stecken„. Aber vielleicht sind sie mittlerweile auf diese widerlichen Tellereisen oder sonstige, uns unbekannte Scheußlichkeiten umgestiegen? Oder sind es Kampfhundehalter, die ihre Tiere auf unsere Katzen hetzen? Aber wir denken, die Katzen haben eine große Chance zu entkommen, wendig wie sie sind, gegen Bäume und dichtes Gebüsch sind Hunde machtlos. Wir wissen es bis heute nicht. Wir hingen Zettel auf mit der Bitte um Hinweise (sie waren bereits nach Stunden abgerissen) und wir befragten Anwohner. Niemand hat etwas beobachtet oder gehört, kein Katzengeschrei, kein Hundebellen, keine Schüsse. Niemals haben wir eine tote Katze gefunden. Sie verschwanden einfach spurlos.

Wir überlegten verzweifelt, wie wir den Rest der Katzen schützen können. Leider vergeblich – es gibt keinen Schutz. Dann war einige Zeit Ruhe. Etwa drei Wochen geschah nichts. Doch dann verschwand unser geliebter Schreihals – und dies ausgerechnet zu der Zeit, als wir überlegten, ob gerade diese entzückende Katze nicht doch eine Chance hätte, zahm zu werden, obwohl draußen geboren und bereits zwei Jahre alt. Zu spät – wir machten uns Vorwürfe und wurden regelrecht krank vor Traurigkeit.
Seit zwei Jahren ist nichts mehr passiert. Die wenigen überlebenden Katzen sind unbehelligt geblieben.
Heute ist die Situation so, daß sich an der angestammten Futterstelle lediglich noch der Vater befindet sowie der später zugelaufene Brustfleck, eine zierliche schwarze Katze mit weißem Brustfleck. Als sie auftauchte, schätzten wir sie auf etwa vier Monate und wollten mit dem Kastrieren noch ein wenig warten, weil sie soo klein war. Nachdem sie auch nach einigen Monaten noch soo klein war, fingen wir sie ein, und beim Tierarzt stellte sich heraus, daß sie etwa zehn Jahre alt ist und schon vor Ewigkeiten kastriert wurde. Mütterchen tauchte anfangs noch sporadisch auf, und blieb später ganz weg. Das mag daran liegen, daß sie und Brustfleck keine Freundinnen wurden, wir hoffen sehr, daß sie irgendwo eine andere Futterstelle gefunden hat.
An der zweiten Futterstelle lebt eine sehr scheue Tigerkatze. Sie bescherte uns dieses Frühjahr dreifachen Nachwuchs, der eingefangen, gezähmt und vermittelt wurde. Die Mutterkatze selbst stellt uns auf harte Geduldsproben. Sie gehört zu den sturen! oder schlauen? Tieren, die nicht im entferntesten daran denken, in die Falle zu tapsen. Sie ist sehr erkältet, gerne würden wir sie kastrieren lassen und Gesundpflegen, aber diese Chance gibt sie uns nicht. Wenn sie nicht noch Einsicht zeigt, beschert sie uns nächstes Frühjahr vielleicht den ersten 2001-er Nachwuchs. Welche Freude!
Streuner
Erinnern Sie sich noch an unseren Streuner? Auch er war eines Tages verschwunden. Zu unserer großen Freude tauchte er Monate später wieder auf. Das Streunen hat ihm wohl das Leben gerettet. Er begrüßte uns ab da genauso begeistert wie früher seine Schwester Schreihals. Und blieb da. Wir brauchten nicht einmal die Katzenfalle. Ich übte ein paar Tage, ihn kurz hochzunehmen und wieder abzusetzen und bald brachten wir einen großen Kennel mit, und –schwupp- wurde er ein bißchen höher genommen und in den Kennel geschubst, bevor er wußte, wie ihm geschah.

Streuner wurde von unserer Pflegestelle Elke Bovi geduldig und liebevoll gezähmt. Heute ist er absolut zahm, total verschmust und besteht nur aus Liebe. Es ist wie ein Wunder, daß ein draußen geborener Kater, der seine ersten beiden Lebensjahre streunend draußen verbracht hat, so ein zufriedener Wohnungskater geworden ist. Zudem ist er total sozial und hat während des Sommers, als auf der Pflegestelle ein Babywurf nach dem anderen aufgenommen wurde, sämtliche Katzenbabies unter seine Fittiche genommen. Ehrensache, daß er nach der Vermittlung in eine sehr liebevolle Stelle auch einen kleinen Gefährten an seine Seite bekam...

Als Wohnungskater braucht man natürlichen auch einen anständigen Namen. So ist aus unserem schwarzweißen Streuner heute der Peter geworden. Unser Foto zeigt ihn in seinem heutigen Zuhause bei seiner Katzenmutter Inge Zörner.