Die "Brückenhasen"

img0261Kaninchen an der Severinsbrücke

 

 

Es war Anfang Dezember 2000, da überbrachte Margot die Meldung eines Arbeitskollegen: Seit Oktober sähe er fast täglich auf einer kleinen, auf drei Seiten mit starkem Gestrüpp bewachsen Wiese, direkt im stark befahrenen Rondell an der Severinsbrücke zwei weiße Kaninchen.
Wir fuhren also zur besagten Wiese und sahen mitten drauf einen kleinen weißen Fleck, der jedoch bei Annährungen unsererseits zu einem geschwind davon hoppelnden Kaninchen wurde. Einige Tage später kehrten wir mit unserem Kescher wieder und versuchten fast 2 Stunden lang die beiden Tiere einzufangen. Diese Versuche mit einem Fischkescher ähnelten jedoch eher einer Jagd nach Antilopen mit Hilfe eines Schmetterlingsnetzes.
So ging das also nicht!
 
Nach dem Motto, „Wer jede Katzen fangen kann, kapituliert auch hier nicht“ arbeiteten wir diverse Schlachtpläne aus. Dass die Sache aufgrund der nunmehr immer kälter und feuchter werdenden Witterung eilte, da die beiden keinen Bau als Unterschlupf hatten und bald auch nichts mehr zu fressen haben würden, veranlasste uns, den kommenden Sonntag als „Fangtermin“ festzusetzen.
Während Margot ca. 20 m Bettlaken aneinander nähte, um die Kaninchen in eine bestimmte Laufbahn zu drängen, telefonierte ich rund und konnte weitere vier Vereinsmitglieder, teilweise sogar mit Familienanhang, mobilisieren. Mit Transportkörben, Stecken für die Bettlaken, dem Kescher, etlichen Taschenlampen und einem großen Katzenschutznetz bewaffnet trafen wir uns also Sonntags um 18 Uhr auf der Wiese.
Wir steckten einen Grossteil des Geländes mit unseren 20 m Bettlaken ab und erregten zunächst einmal die Aufmerksamkeit eines jungen Mannes, der dort wohnt. Dieser erzählte uns dann, er habe bereits in einem Kölner Tierheim angerufen und sei an die Feuerwehr verwiesen worden. Die Feuerwehr wiederum habe ihn ans Tierheim verwiesen, - ein Teufelskreis. Er freute sich über unsere Initiative und holte noch rasch seine Freundin, so dass wir nunmehr mit neun Leuten auf „die Jagd“ gingen. Die Kaninchen waren ebenfalls komplett zur Stelle und zeigten uns alsbald, dass sie unsere weiß leuchtenden Bettlaken mieden. So ging das also nicht.
 
Jetzt kam das Katzenschutznetz zum Einsatz. Zwei von uns hielten das ca. 3 m x 2 m große Netz gespannt vor jeweils dem Gestrüpp, in dem wir die beiden hoppeln sahen. Alle anderen schlugen sich von hinten ins Dickicht und trieben die kleinen Kerle in die Richtung des Netzes. Das hört sich nun sehr einfach an, war es aber nicht; da Kaninchen bekanntlich Haken schlagen, war die Laufrichtung ausgesprochen schwierig zu kalkulieren. Wir verhedderten uns ständig beim Hin- und Herrennen im Netz und flogen nur so übereinander. Die Löcher auf der Wiese machten das Laufen auch nicht einfacher, und mehrfach mussten wir Zwangspausen einlegen, um uns selbst aus dem Netz zu befreien. Abgesehen davon hatten wir auch Angst, die Tiere auf die Fahrbahn zu treiben, da sie dann tatsächlich unter die Räder kämen.
 
Nach über 45 Minuten ging uns endlich das erste Kaninchen ins gespannte Netz. Wir warfen uns schlichtweg drauf, der Transportkorb wurde eilends herbeigeschafft und samt Netz war der erste Mümmelmann gefangen. Jetzt musste er nur noch aus dem Netz gepellt werden, ohne wieder zu entwischen. Das Tier war platt vor Angst im Schein der Taschenlampen und ließ sich von uns wirklich wie eine Zwiebel aus der Pelle schälen. Geschafft ! Jetzt nur noch das nächste, bitte.Alle Beteiligten sahen zwischenzeitlich aus als hätten sie Schlammbäder genommen. Wir knieten um den Transportkorb herum und hechelten nur noch vor uns hin.
 
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Nun war noch das kleinere Langohr zu fangen. Der nächste Versuch schlug fehl, es lief zwar genau ins Netz, konnte jedoch aus eigener Kraft wieder entkommen. Das kleine Teil hatte inzwischen Lunte gerochen und sich ins dickste Dickicht zurückgezogen. Wir konnten es nicht mehr sehen. Während die einen nun dazu verdammt waren mit dem Netz vor dem Gestrüpp auszuharren, kämmten alle anderen mit Lampen und Stöcken das Gehölz durch. Schließlich wurde der kleine weiße Pelz ausgemacht und mittels Taschenlampe fixiert, so dass wir nun ständig sahen, wo er war. Alles kreiste ihn weiter ein, Netz und Netzhalter befanden sich in höchster Anspannung. Das Hasi schoß aus dem Gebüsch heraus, genau ins Netz! Sofort warfen wir uns darüber und wickelten es komplett ein. Nichts wie ab in die Kiste mit dem armen Tier!
Wir hatten es! Es war jedoch nun so verstrickt im Netz, dass es kein Ohr mehr rühren konnte. Wir mussten das arme Kaninchen tatsächlich aus diesen verstrickten Umständen herausschneiden. Dann hieß es nur noch: Schnell die Hände aus dem Transportkorb und Türe zu! Geschafft! Was waren wir froh, die beiden zu haben.
 
Bis heute sind „unsere Brückenhasen“ noch bei uns. Es hat einige Zeit in Anspruch genommen bis man sie anfassen konnte, ohne dass sie vor Angst laut schrieen; „richtige Schmusetiere“ werden sie wahrscheinlich nie werden. Wir wissen nicht, was sie mitgemacht haben, bevor man sie unter der Brücke auf der kleinen Wiese ihrem Schicksal überließ. Ein gutes Zuhause haben sie sicherlich nicht gehabt, sonst wären sie nicht dort gelandet.
Am nächsten Tag setzte in Köln der Frost ein, wir sind sicher, dass sie diese Zeit nicht überlebt hätten. Jetzt suchen wir ein schönes Heim für unsere beiden Kaninchen.
 
Gabriela Kelterbaum - 2001
 
Nachtrag: 
Es hat sich niemand gefunden, der diese beiden Kaninchen haben wollte. Sie waren schreckhaft, waren scheu, mochten es nicht angefaßt zu werden. Es waren keine Tiere für Kinder, ihr Alter war unbekannt. Sie wurden „Vereinskaninchen“. Beide wurden leider nicht mehr sehr alt, fast zeitgleich starben sie. An der Stelle, an der wir die Zwei damals einfingen, sammelten wir im Laufe der darauf folgenden 2 Jahre insgesamt 3 weitere Kaninchen ein. 4 Stück konnten nur noch tot aufgefunden werden. Irgendwann war dann Schluß mit den Kaninchen am Rande der Severinsbrücke. Es waren immer alles männliche Tiere, tlw. litten sie an Kryptorchismus. Wir vermuten, dass sie, für eine Zucht unbrauchbar, einfach dort entsorgt wurden.
 

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